Die Geschichte mit dem Hund

Ein großer König baute sich einmal einen Palast. Die Wände des Palastes waren mit Spiegeln bedeckt, mit Tausenden von Spiegeln. Es war ein herrliches Erlebnis, diesen Palast zu betreten. Man konnte seine eigene Gestalt in tausendfacher Vervielfältigung ringsherum erkennen - tausendmal Du selbst, wohin Du blickst! Zünde eine Kerze an - Tausende von Flammen... Eine kleine Flamme und Tausende von Spiegeln warfen ihr Licht zurück - der ganze Palast wurde davon erhellt, von einer einzigen Kerzenflamme!

Eines Nachts kam durch Zufall ein Hund in den Palast. Er sah sich um. Er erschrak sich zu Tode: Tausende von Hunden! Er erschrak sich so sehr, dass er die Tür, durch die er hereingekommen war, völlig vergaß. Er war umzingelt von Tausenden von Hunden - der Tod war ihm sicher. Er fing zu bellen an. Tausende von Hunden bellten zurück. Er knurrte aggressiv. Tausende von Hunden knurrten zurück. Vor Panik rannte er gegen die Wände. Am Morgen fand man ihn tot auf. Und es war niemand da, nur der tote Hund selbst.

Quelle:

Aus ...

* Die Gesetze des Schicksals *
Die Befreiung von unbewußten Zwängen
von Hermann Meyer

Originalverlag:
Sphinx Medien Verlag, Basel 1987
Taschenbuch, 256 Seiten
ISBN: 3-442-12142-6
€ 8,00 [D] / SFr 14,80